25.07.2019      Fachartikel

Digitalisierung des Gesundheitswesens

Die Digitalisierung greift immer stärker in den Alltag der Menschen ein. Das gilt auch für das Gesundheitswesen. Der digitale Wandel bringt viele Vorteile, aber auch Herausforderungen mit sich. Die Gesundheitswirtschaft muss sich darauf einstellen. In einer Studie des Unternehmens Deloitte, erstellt im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes, werden die Implikationen einer umfassenden Transformation dieses Segments untersucht und die potenziellen Folgen für das Gesundheitssystem beleuchtet.

Verbraucher und Patienten als Treiber

Eine Erkenntnis der Untersuchung ist, dass Verbraucher und Patienten die größten Treiber des digitalen Wandels sind. Das ist nicht weiter verwunderlich, ist doch das Smartphone in nahezu jeden Bereich des Lebens vorgedrungen und natürlich gilt das auch, wenn es um die Gesundheit geht. Inzwischen verschwimmen auch immer mehr die Grenzen zwischen der Erfassung der eigenen Fitness und dem Sammeln von Daten mit medizinischer Indikation. Digitale Endgeräte sind zum ständigen Begleiter geworden. Allein in Deutschland gab es im Jahr 2016 neben Geräten wie Smartphones knapp 11 Millionen Devices, deren Nutzung speziell auf den Gesundheitsbereich ausgerichtet ist.

 

Die Datenerfassung läuft bei den Geräten größtenteils über Sensoren, sogenannte Wearables, die am Körper getragen werden. Die Forscher der Deloitte-Studie glauben jedoch, dass sich dieser Trend in Zukunft in Form von implantierbaren (Mikro-)Sensoren fortsetzen wird. Ebenso wie bei den Wearables ist zu erwarten, dass die Treiber für die Durchsetzung dieser Entwicklungen Patienten und Verbraucher sein werden.

 

Die Speicherung und Nutzbarkeit der erhobenen Daten werden völlig neue Möglichkeiten für die Medizin eröffnen: In Bezug auf die Diagnostik und darauf basierend bei der Entscheidung für bestimmte Therapieformen sowie der Erstellung individueller Therapien. Die Experten erhoffen sich dadurch eine Verbesserung der Versorgungsqualität und Effizienz, aber auch die Reduzierung von Kosten.

 

Neue Anbieter und größere Marktdynamik

In der Folge der digitalen Transformation entstehen bereits jetzt neue Geschäftsmodelle, von denen sich einige auf die Sammlung und Analyse von Gesundheitsdaten spezialisiert haben. Neue Anbieter drängen in einen für sie zuvor fremden Markt und sorgen für eine größere Dynamik. Große Technologieunternehmen wie Google und Amazon, aber auch eine große Anzahl von Start-ups finden sich heute im zweiten Gesundheitsmarkt, der durch weniger Regularien einen leichteren Einstieg in die Gesundheitsbranche ermöglicht. Es ist jedoch zu erwarten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie auch im ersten Fuß fassen.

 

Während große Technologiekonzerne sich bisher hauptsächlich mit der Sammlung, Analyse und Verarbeitung von Gesundheitsdaten beschäftigen, haben sich in den letzten Jahren Start-ups als wichtige Impulsgeber für die Entwicklung neuer Gesundheitslösungen herausgestellt. Andere Geschäftsmodelle konzentrieren sich auf die Bereitstellung von Plattformen und anderen Komponenten eines digitalen Ökosystems. Die am Markt etablierten Anbieter wie Hersteller von Medizintechnologie, pharmazeutische Unternehmen oder Softwareanbieter, sehen zunehmend die Notwendigkeit, auf digital umzustellen. Sie passen ihre bestehenden Produkte entsprechend an oder dringen sogar in neue Geschäftsbereiche vor. Auf diese Weise werden sie verstärkt auch zu Anbietern digitaler Gesundheitslösungen. Andere Anbieter (zumeist Medizintechnik-/Pharmaunternehmen) ergänzen ihre traditionellen Produkte mit digitalen Lösungen für den Konsumenten oder Patienten als sogenannte „Add-ons“.

 

Investoren drängen in den Markt

In den letzten Jahren haben immer mehr Investoren den digitalen Gesundheitsmarkt für sich entdeckt. Weltweit sind die Investitionen deutlich angestiegen, das gilt besonders für die USA. Die Forscher haben zwei Arten von Investoren ausgemacht, die die größte Relevanz für den Markt haben: Venture Capital (VC) sind Firmen, die eher in Start-ups investieren. Sie haben keine konkreten Zielbilder für den deutschen Gesundheitsmarkt und handeln opportunistisch. Aktivitäten können sowohl im ersten als auch im zweiten Gesundheitsmarkt liegen, heißt es in der Studie. Strategische Investoren hingegen setzen auf ausgereiftere Ideen. Bei ihnen steht die finanzielle Rendite im Vordergrund. Diese wird durch taktische Verknüpfungen und Synergien erzeugt. Die Investitionen solcher Unternehmen haben sich als richtungsweisend für die Weiterentwicklung von Digital Health herausgestellt. Bisher sind Übernahmen im deutschen Markt noch eher vereinzelt, in den nächsten Jahren ist jedoch mit einer starken Zunahme zu rechnen.

 
Die Rolle der Krankenkassen

Der Gesundheitsmarkt ist einem starken Wandel unterworfen. Viele Player müssen sich neu- oder umorientieren. Welche Rolle kommt dabei den Krankenkassen zu? Die Untersuchung gibt auch darüber Aufschluss. So behalten die Krankenkassen nach Meinung der Experten ihre Rolle als Gestalter des digitalen Gesundheitswesens. Dies vor allem im Bereich des Patientenschutzes und wenn es um die Übernahme der Steuerungshoheit geht. „Die Zeit für die Einnahme einer aktiveren Steuerungsrolle durch die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Verbände sowie den GKV-Spitzenverband drängt, weil sowohl etablierte Player als auch ‚neue Leistungserbringer‘ derzeit versuchen, diese Rolle zu besetzen“, heißt es in der Studie. Essenziell ist dabei die effektive Nutzung von Gesundheitsdaten. Sollten die Krankenkassen und deren Spitzenverbände diese Gelegenheit verpassen, sind sich die Studienverfasser sicher, dass private Anbieter diese Aufgabe übernehmen werden, was zu weiteren, disruptiven Veränderungen der Gesundheitswirtschaft führen könnte.

 

 

 
 
 
Abb. 1 - Übersicht digitaler Gesundheitsangebote in Deutschland (Quelle: Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft)

 

Abb. 2 - Verteilung Digital-Health_Investitionen nach Ländern (Quelle: Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft)

 

 

Weitere Informationen

Kurzzusammenfassung und Download der Studie auf der Deloitte-Webseite

 

Dieser Artikel erschien zuerst im  MARABU / Magazin.

 

Kontakt